Einer geht voran, doch nur durch das Zusammenwirken vieler kann er etwas Positives für Herscheid bewirken: Bei der Zukunftsentwicklung der Gemeinde setzt Uwe Schmalenbach (links), hier bei einer Sitzung der Fachbereichsleiter, auch weiterhin auf die gute Zusammenarbeit von Rat, Verwaltung und Bürgern.© Grein

Herscheid – Die Entscheidung ist ihm nicht schwergefallen: Am 13. September bewirbt sich Uwe Schmalenbach um das Amt des Herscheider Bürgermeisters. Weil es keine Mitbewerber gibt, kann Schmalenbach die Planungen für seine dritte Amtszeit vorantreiben. Wie er die Gemeinde in den nächsten fünf Jahren weiterentwickeln möchte und worauf sich die Bürger freuen können, darüber sprach er mit Dirk Grein.

Bei der Kommunalwahl treten Sie als einziger Bewerber für das Bürgermeisteramt an: Können Sie im Wahlkampf jetzt die Füße hochlegen und es etwas ruhiger angehen lassen?

Uwe Schmalenbach: Nein. Wenn man sich um dieses Amt bewirbt und es ist sicherlich ein wichtiges, dann hat es dieses Amt auch verdient, dass man sich darum bemüht. Unabhängig von irgendeiner Konkurrenzsituation wird es bei mir deshalb Wahlkampf geben – mit Flyern, Plakaten und auch mit einer überarbeiteten, aktuellen Internetseite. Ich finde, dass das alles dazugehört. Denn ich will die Wähler davon überzeugen, dass ich weitere fünf Jahre Bürgermeister dieser Gemeinde sein will, und da ist mir jede Wählerstimme wichtig.

Trotzdem nochmals die Frage: Würden Sie sich anders verhalten, wenn es einen Gegenkandidaten geben würde? Bei Ihrer ersten Wahl im Jahr 2009 sind Sie gegen zwei Kandidaten angetreten.

Nein, würde ich nicht. Ich mache jetzt genau das, was ich sonst auch gemacht hätte.

Seit über 30 Jahren arbeiten Sie im Herscheider Rathaus, Ihre dritte Amtsperiode als Bürgermeister ist Ihnen praktisch nicht mehr zu nehmen: Wie können Sie sicherstellen, dass Sie nicht amtsmüde werden?

Dafür ist die Aufgabe in einer kleinen Gemeinde zu vielfältig. Wenn ich die nächsten fünf Jahre sehe, dann habe ich so viele Ideen, dass diese fünf Jahre genauso schnell vergehen werden wie die letzten Jahre schon. Mein Problem ist daher eher, dass mir manche Dinge nicht schnell genug gehen und sie nicht so schnell umsetzbar sind, wie ich mir das eigentlich wünsche.

Zum Beispiel?

Manche Baumaßnahme, die wir im Moment betreiben. Da hakt es immer mal wieder. Insofern mache ich mir da keine Sorgen, dass ich amtsmüde werde. Im Übrigen macht mir die Aufgabe genauso viel Freude wie am Anfang. Es ist auch einfach zu abwechslungsreich, als dass man in eine Art Routine verfallen könnte.

Nach nunmehr elf Jahren als Bürgermeister: Wie würden Sie die Entwicklung der Gemeinde unter Ihrer Regie beschreiben?

Es ist natürlich schwierig, das selbst zu beurteilen. Aber ich glaube schon, dass ich vieles zumindest richtig gemacht habe. Insgesamt überlässt man so eine Bewertung aber besser anderen. Trotzdem würde es mich sicherlich freuen, wenn es über meine Arbeit typisch westfälisch heißen würde: „Er war nicht der Schlechteste.“ Mehr Lob kann man ja hier eigentlich nicht erwarten.

Haben Sie alle Ziele Ihrer zweiten Amtsperiode erreichen können?

Ja, das glaube ich schon. Das, was ich vor fünf Jahren erreichen wollte, ist auch erreicht worden – manches sogar mehr als das, was ich mir damals vorgenommen habe. Ich bin ohnehin der Meinung, dass man in einem Wahlkampf eher weniger versprechen, aber dafür mehr halten sollte. Insofern ist das eine oder andere mehr realisiert worden. Wir haben zum Teil durch Fördermittel so positive Entwicklungen gehabt, das war ja fast gar nicht abzusehen.

Wie sehr wird diese positive Entwicklung durch Corona ausgebremst?

Sie wird stark beeinflusst. Die Wirtschaft, die Arbeitnehmer, die Kommune – sie alle sind stark von dieser Situation betroffen. Wir haben eine ganze Reihe Unternehmen, die ihre Gewerbesteuervorauszahlungen auf Null haben setzen lassen. Das betrifft vor allem jetzt die laufende Finanzierung der Gemeinde. Es betrifft aber erfreulicherweise nicht die Investitionsvorhaben, die aktuell laufen und die wir für die nächste Legislaturperiode geplant haben. Sie können weitgehend durch Fördermittel und durch bereits angesparte Investitionspauschalen finanziert werden. Aber wir haben natürlich die eine oder andere leichte Verzögerung; bei einigen Projekten ist es, wie bereits gesagt, nicht so schnell wie geplant weitergegangen.

Thema Finanzen: Der Haushaltsausgleich ist für das Jahr 2022 vorgesehen. Kann dieses Ziel ohne Steuererhöhungen eingehalten werden oder müssen die Bürger Anpassungen befürchten?

Aus aktueller Sicht sehe ich den Haushaltsausgleich im Jahr 2022 jetzt nicht. Ich habe aber frühzeitig und auch mehrfach darauf hingewiesen, unter anderem in einem Bericht in Ihrer Zeitung aus dem September 2017, dass die schwarze Null, also der endgültige Haushaltsausgleich, nicht ohne Steuererhöhungen zu erreichen ist. Unsere Hebesätze sind seit 2016 unverändert und wir liegen zum Teil deutlich unter dem Niveau der Nachbarstädte.

Insofern können wir sicherlich Hebesätze anpassen – nicht über das Niveau anderer Kommunen, aber da ist sicherlich noch eine Differenz zu sehen, die wir nutzen müssen. Uns fehlen ja letztlich jedes Jahr Einnahmen. Aber man muss auch ganz klar sagen: In die aktuelle Situation passen keine Steuererhöhungen. Und daher wird es für 2021 auch keine geben – das kann man zum jetzigen Zeitpunkt, da der Monat September schon begonnen hat, abschätzen.

Nicht nur in finanzieller Sicht stehen Sie für klare Bekenntnisse. Auch auf die Aufgabe des Schulstandortes Hüinghausen haben Sie frühzeitig hingewiesen. Die Überbringung von unangenehmen Nachrichten gehört zu Ihrer Tätigkeit.

Natürlich gehört das dazu und da würde ich auch jetzt im Wahlkampf nichts anderes sagen. Wir befinden uns im demografischen Wandel, daher hatte ich schon 2009 darauf hingewiesen, dass wir nicht alle Einrichtungen halten können. Wir haben die Hauptschule aufgeben müssen, wir haben inzwischen ein Feuerwehrgerätehaus geschlossen und wir werden die Grundschulen zusammenlegen müssen. Auch das gehört mit dazu.

Doch lassen Sie uns nicht nur unangenehme Dinge ansprechen, sondern auch Positives: Worauf können sich die Herscheider Bürger in den nächsten fünf Jahren unter Bürgermeister Schmalenbach freuen?

Die Weiterentwicklung und Gestaltung der Gemeinde als attraktiver Wohnstandort wird mein wichtigstes Anliegen bleiben. Dazu gehören sowohl Familien- als auch Seniorenfreundlichkeit, gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, Ehrenamt und Freizeitmöglichkeiten und natürlich gesunde Finanzen, worauf wir in den letzten Jahren gut hingearbeitet haben. Wir haben große Investitionsprojekte auf den Weg gebracht, die werden in der nächsten Legislaturperiode fortgesetzt und auch vollendet werden.

Freuen darf man sich ganz besonders auf den Umbau der Gemeinschaftshalle, weil ich meine, dass davon der ganze Ort profitiert – alle Generationen. Die Vereine nutzen diese Halle und es finden dort Veranstaltungen statt – sicherlich in Zukunft noch viel mehr als bislang, wenn das Gebäude barrierefrei umgebaut ist.

Von Ihrem Büro aus können Sie die Werbetafeln vor dem Rathaus sehen. Darauf hängen die Plakate von Parteien und einer Wählergemeinschaft, die in den Gemeinderat einziehen wollen. Wie bewerten Sie die Parteienlandschaft vor Ort?

Rückblickend betrachtet glaube ich, dass die erfolgreiche Entwicklung in den letzten fünf bis zehn Jahren auf der ausgesprochen guten Zusammenarbeit in den politischen Gremien, aber auch zwischen Rat, Bürgermeister und Verwaltung beruht. Trotz aller politischen Unterschiede haben alle Beteiligten zielorientiert an der Zukunftsentwicklung der Gemeinde gearbeitet. Das steht im Vordergrund.

Wenn es darauf ankommt, werden Entscheidungen schnell getroffen. Zum Beispiel, als es darum ging, innerhalb von wenigen Wochen den Förderantrag für das Freibad auf den Weg zu bringen, weil eine ganz kurze Frist genannt war. Wenn andernorts manchmal noch diskutiert wird, dann fällen wir schon Entscheidungen. Das hat unsere Entwicklung maßgeblich mit beeinflusst. Ich hoffe, dass diese gute Zusammenarbeit in der nächsten Legislaturperiode so fortgesetzt werden kann. Ich jedenfalls möchte meinen Beitrag dazu leisten und das Amt transparent, objektiv und überparteilich führen, um alle mit ins Boot nehmen zu können.

Bei der Bürgermeisterwahl ist der Sieger vorprogrammiert. Um den Einzug in den Gemeinderat bewirbt sich diesmal noch eine Partei mehr. Gehen Sie von Veränderungen aus?

Wie die Zusammensetzung sein wird, kann man natürlich nicht voraussagen. Wir haben insgesamt sechs demokratische Parteien oder Wählergruppen, die sich bewerben, und somit ein breites Spektrum. Die Bewerbersituation stellt sich durchaus positiv dar.

Zurück zu Ihrem Wahlkampf: Wie sieht Ihr Wunschergebnis für den 13. September aus?

Ich wünsche mir, dass mir die Herscheiderinnen und Herscheider wieder das Vertrauen aussprechen, damit ich weiter im Amt bleiben kann und die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren mit beeinflussen kann.

Bewerten Sie Ihr Abschneiden anhand von Prozentzahlen?

Nein.

Welche Überschrift würden Sie gern am 14. September im Herscheider Lokalteil über den Wahlausgang lesen?

Trotz Corona sehr hohe Wahlbeteiligung in Herscheid.

Auf die rundum sanierte und ausgebaute Gemeinschaftshalle können sich alle Herscheider freuen, sagt Bürgermeister Uwe Schmalenbach. Die Pläne für den Ausbau besprach er im Februar mit Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, während einer Ortsbesichtigung.© Grein